Waid ( Isatis tinctoria)

Färberwaid (Isatis tinctoria)

Der Färberwaid gehört zur Familie der Kreuzblütler und ist in Europa heimisch. Die Pflanze bildet eine kräftige Pfahlwurzel und gedeiht besonders gut auf tiefgründigen, humosen Böden. Die Aussaat kann entweder ab Ende Oktober oder im zeitigen Frühjahr erfolgen. Die empfohlene Saattiefe beträgt etwa 2 cm, der Pflanzenabstand 15 cm und der Reihenabstand 30 cm.

Seit wann in Europa mit Waid gefärbt wird, ist schwer zu sagen, da der Zahn der Zeit besonders an Textilien nagt. Die ältesten Funde von mit Waid gefärbten Textilien sowie von Waidsamen stammen aus dem Neolithikum (ca. 10.000–5.000 v. Chr.) und wurden in Frankreich (Höhle von l’Adaoust) entdeckt.

Dass Waid bereits in der Antike als Färbepflanze Verwendung fand, ist schriftlich dokumentiert. In seinem Werk De Bello Gallico (5. Buch) berichtet Julius Cäsar, dass sich die Britannier mit Waid färbten, wodurch ihre Körper eine blaue Farbe annahmen und sie im Kampf besonders furchterregend wirkten.

Zur Zeit Karls des Großen spielte Waid eine bedeutende Rolle als Farbstofflieferant. Er ließ im 8. Jahrhundert in seiner Hausgüterverordnung, dem „Capitulare de Villis“, festlegen, dass Waid für die Tuchmacher bereitzuhalten sei. Blau galt zu jener Zeit als die Farbe des freien Mannes und wurde mit königlicher Würde assoziiert.

Der Anbau von Waid verbreitete sich in weiten Teilen Europas, insbesondere in Thüringen, am Niederrhein, im Elsass und in der Normandie. Die Waidproduktion brachte diesen Regionen erheblichen Wohlstand. Für die Färber war die Pflanze unentbehrlich, da sie lange Zeit die einzige Möglichkeit darstellte, Textilien dauerhaft blau zu färben.

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